Klassentreffen: Christoph Keller über das Thema RAUM

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeitsprünge. Schon immer hat Christoph Keller Wissenschaft gegen den Strich gebürstet. Diesmal nimmt er sich die Archäologie vor und entwickelt eine ganz neue Betrachtungsweise: die Anarchäologie, in der das Objekt nicht länger als Träger der Geschichte dient, sondern von ihr abgekoppelt ist. Das historische Fragment funktioniert nicht mehr als Requisit einer linearen Erzählung, sondern bildet eine eigene Zeitrealität. Keller bricht damit auch die mythische Dimension der Archäologie auf, die seit dem 19. Jahrhundert nationaler Selbstvergewisserung dient. In den Drucken auf unserer Seite verbindet er historische Fotografien antiker Tempel, eines Amphitheaters und einer Götterfigur mit gepressten Blättern, die er vom Amazonas mitbrachte. Die dort lebenden Yanomami-Stämme negieren Geschichtsschreibung. Kellers Sicht der Dinge könnte auch für die künftige Präsentation der außereuropäischen Sammlungen im Humboldt-Forum erhellend sein.

Christoph Keller, studierte Physik und Mathematik, bevor er sich ganz auf die Seite der Kunst schlug. Der gebürtige Freiburger, der zum Studium an der UdK nach Berlin kam, tariert bis heute die Grenzen beider Seiten aus. So präsentierte er jüngst im Ausstellungsraum der Schering-Stiftung ein Selbstexperiment mit Äther, einem Stoff, der für das Nichts, die absolute Leere steht und doch die Möglichkeit unerschöpflicher Erfahrung birgt. Um die Erweiterung des Bewusstseins ging es dem Künstler auch bei seiner Aktion 2006 in der Frankfurter Schirn, wo er Besucher hypnotisierte und durch ein imaginiertes Museum führte.

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